How to become the famoust Corridor
1. Oktober 2008
Linköping – Woche sechs/sieben (15.9.- 28.9.)
Das Erasmus-Studium an sich ist ein großer Wettbewerb. Offiziell geht darum, wer am mulitkulturellsten ist, wer die weiteste Anreise hatte und wer die meisten Sprachen spricht. Inoffiziell geht es darum, wer am längsten feiern kann, wer dabei am besten aussieht und wer am Ende die meisten Frauen im Bett hatte. Doch es gibt noch eine Disziplin, die versteckt im Hintergrund ihr Dasein fristet und den wirklich wichtigen Dingen den Nährboden bietet, auf dem sie gedeihen können: Die Kunst des Partyveranstaltens, die mein Korridor kürzlich mit bravour ausübte.
Für die Nichtwissenden sei an dieser Stelle ein kleiner Ratgeber eingefügt, was es zu beachten gilt, will man die Menschen in seiner Umgebung mit einem Reibach beglücken, über den noch das ganze Semester gesprochen wird. Frei nach dem Motto: „Man muss nur eine Party machen, dafür aber eine Richtige“. Dazu hier sieben Regeln.
- Musik muss organisiert sein! Eine vernünftige Party braucht Musik. Musik zum Unterhalten zuerst, Musik zum Tanzen später. Dazu benötigt man eine Anlage mit Power und einen, der sich um die Musik kümmert. Einen DJ. Denn nichts ist anstrengender als eine Winamp-Playlist, an der sich alle fünf Minuten ein anderer Gast setzt um den gerade laufenden Song in der Mitte abzubrechen, damit er seinem Lieblingslied lauschen kann. Der DJ spürt was gerade angebracht ist und reagieren. Denn das ist sein Job.
- Die Räumlichkeiten sollten auf die verschiedene Gemüter zugeschnitten sein! Ab einer Größe von 50 Menschen ist es immer angebracht einen Raum zu organisieren in dem keine Musik läuft. Das erspart lästige Bitten, die Musik doch leiser zu stellen, weil man sich ja unterhalten wolle. Denn auf einer guten Party wird getanzt und das tut keiner wenn die Musik zu leise ist. Außerdem braucht man zum Tanzen Platz. Also eine Tanzfläche schaffen. Auch wenn das am Anfang der Party komisch aussieht. Am Ende zahlt es sich aus.
- Alkohol sollte da, aber auch rar sein! Klar. Niemand tanzt ohne Alkohol. Schlimm, aber Tatsache. Deswegen sollte man ein bisschen was zuhause haben. Allerdings nicht zu viel. Nur die Notration. Aber außergewöhnlich muss er sein. Und damit sollte man sparsam mit ihm umgehen. Nur ab und zu ein paar Brocken in die Menge werfen. Die Fische anködern. Denn wenn man schon anfängt mit Freibier für alle, dann ist das irgendwann alle und dann gehen alle nach Hause oder zu einer anderen Party. Ergo kein Freibier.
- Eine schöne Atmosphäre ist die halbe Miete! Es ist verdammt nochmal ein Irrglaube das Licht nicht wichtig ist oder keinen interessiert. Nein, eine besinnliche Lichtinstallation ist das A und O für eine gute Party. Keiner tanzt wenn es zu hell ist, keiner möchte im Dunkeln sitzen weil die Glühbirnen so blenden und unter kaltem weißen Licht sieht so ziemlich jeder Superlover abstoßend aus. Also bitte, bitte irgendwie um schönes Licht kümmern. Farbige Glühbirnen, Folie, Lichterketten, Kerzen, irgendwas nur keine normales weißes Licht. Danke.
- Gib den Kindern was zum spielen! Exklusivität ist das Tüpfelchen auf dem Sahnehaufen bzw. die Kirsche auf dem i. Denn deine Party kann noch so schön sein, um in den Köpfen der Menschen zu bleiben musst du was organisieren, über das sich die Leute unterhalten können. Ein Konzert, eine Aufführung oder irgendeine andere Aktivität. Das fördert ganz nebenbei auch noch die Kommunikation innerhalb der Feiergemeinschaft. Man kann sich darüber mit völlig fremden Unterhalten. Am besten ist es natürlich, wenn die Gäste an der Aktivität selber teilnehmen können. Kreativität fördert das Wohlbefinden. Ach und das mit der Exklusivität geht natürlich schon bei der Einladung los. Eine mündlich ist schön und gut, eine private Party zu der Flyer gedruckt wurden ist etwas Besonderes.
- Was würde Mehmet Scholl tun? Versuche dich in deine Gäste hineinzudenken. Wie würdest du dich auf einer Party von anderen Leuten verhalten? Ok, also alles teure, wichtige, zerbrechlich wegräumen. Zur Not Abdeckplanen kaufen. Denn so lieb deine Gäste auch sind, wenn sie besoffen sind, sind sie tollpatschig und werden überheblich. Aber du solltest auch beachten, dass besoffene Gäste nicht doof sind. Sie sind nur faul. Wenn sie einen Mülleimer in Reichweite sehen, werden sie ihn nutzen. Wenn nicht werfen sie ihren Dreck auf den Boden. Wenn sie etwas zu essen vorfinden, knabbern sie drauf los und fühlen sich wohl. Wenn nicht kotzen sie dir das Bett voll. Das kann natürlich auch sonst vorkommen, aber essen minimiert dieses Risiko.
- Schuhe an! Zu guter Letzt noch ein Tipp in Sachen Behaglichkeit. Niemand feiert gerne ohne Schuhe, niemand will in ausgelaufenes Bier latschen und niemand hat gerne kalte Füße. Ich weiß nicht wer sich einmal ausgedacht hat, dass diese „Schuhe aus“-Regeln eine gute Idee wäre. Ohne Schuhe kann man alle anderen Regeln hier vergessen. Es wird nicht getanzt, die Atmosphäre ist in Arsch und auch Mehmet Scholl hilft dann nicht mehr. Wer also dieses bisschen weniger putzen gegen eine gute Party eintauschen will kann das machen. Dann sollte er die Gäste aber eher Nachmittags laden und Kaffe und Kuchen servieren. Das nennt sich zwar Kaffeekränzchen, ist aber auch ganz nett. Mit Oma und Opa uns so.
Jetzt fragt ihr euch, was das alles mit meinem Erasmus-Jahr in Schweden zu tun hat. Ganz einfach! Wir haben den Wettbewerb gewonnen. Ganz klar. Das kann man bereits jetzt behaupten. Ohne die Konkurrenz der nächsten zwei Monate begutachtet zu haben. Denn auf dem „Worst Beer Contest“, bei dem in etwa 200 Erasmus Studenten unsere Räumlichkeiten aufsuchten, waren alle Regeln erfüllt. Wir hatten Musik von meinem Laptop, drei befeierbare Räume, jede Menge gutes und schlechtes Bier, grünes, gelbes und blaues Licht, einen Wettbewerb um die schlechtesten, hier erhältliche Biersorte (siehe Ergebnis) an dem jeder Gast teilnehmen konnte, Abdeckplanen über der Betten und Mülleimer auf dem Flur. Selbst das mir den Schuhen konnte ich durchboxen. Also ein voller Erfolg. Wir haben den geilsten Korridor in ganz Ryd!
Nur ein Problem gibt es noch. Nasir weilt immer noch unter uns. In den letzten vier Wochen hat er sich zwar von der chauvinistischen Dreckschleuder zum ängstlichen Schattenmann gewandelt und dadurch keinen mehr gestört, aber irgendwie will man ja schon, dass so ein Verrückter nicht direkt neben einem wohnt. Schließlich kann die Eisenstange das nächste Mal ein Messer sein. Da passte es ganz gut, dass Guillaume vor kurzem auf der Internetseite unseres Vermieters gesehen hat, dass sein Raum ab 1.11. neu vermietet wird. Hurra! Endlich ein neuer Mitbewohner. Und womöglich auch noch jemand cooles. Unglücklich nur, dass wir dann ja noch eine Willkommens-Party machen müssen. Na, wenn es eben sein muss.


Respekt!
Die richtigen Gäste zu haben wäre auch nicht unwichtig, in so einer Aufzählung…
…nun ja, dass versteht sich ja wohl von alleine. Wer läd schon Deppen ein?
[...] Preisteilung nämlich durchaus auch für den kleinen Geldbeutel erschwinglich. Tja und da wir ja der famost Korridor in Ryd bleiben wollen haben wir jetzt eine Fritteuse, einen Sandwich-Macker, eine Hi-Fi-Anlage und einen [...]