Die Plage und der neue Nasir
19. Oktober 2008
Linköping – Woche acht bis zehn (29.9.- 20.10.)
Stellt euch vor, ihr währt nicht allein in eurem Zimmer. Ihr hättet Mitbewohner. Kleine, schwarze, krabbelnde Freunde. Sie lebten in eurem Bett nur um euch ganz nah zu sein. Tagsüber zeigten sie sich nicht. Nur Nachts kämen sie heraus und gesellten sich zu euch, während ihr schlaft. Dann würden sie sich eine Stelle an eurer Haut suchen, die besonders warm und dünn ist und saugen. Denn schließlich leben sie von Blut. Von eurem Blut. Eklige Vorstellung, nicht war. Es gibt wahrlich wenige Dinge die unangenehmer sind. Ich muss es wissen. Schließlich hab ich es erlebt.
Die letzten Tage standen im Zeichen des Kampfes: Wombat gegen Bedbugs. Denn Bedbugs bzw. Bettwanzen heißen diese kleinen Tiere, die mein ach so trautes Heim in der vergangenen Woche heimsuchten. Das heißt, wann genau und wie sie kamen weiß keiner. Am Montag habe ich sie das erste Mal bemerkt. Eingezogen sind sie wohl schon früher. Habe ich ihre Eier von meiner Fahrradtour nach Motala oder von Exkursion am See Sommen mitgebracht? Hat irgendein Besucher ein unerwünschtes Präsent da gelassen? Oder kamen sie von dem Baum vor meinem Fenster? Fragen über Fragen, die auch das vermietende Studentenwerk Studentborstäder nicht beantworten konnten.
Ohnehin hatten die Studentbostäder-Leute nicht viele Informationen für mich parat. Als ich am Dienstag ihre Zentrale aufsuchte um meine kleinen Mitbewohner zu präsentieren, bekam ich von dem, nennen wir es mal Sachbearbeiter Ville Westman nur einen Zettel in die Hand gedrückt. Auf diesem war der Hinweis vermerkt, dass ich nicht bei jemand Anderem übernachten solle. Sonst breite sich die Plage aus und ich sei Haftbar, wenn jemand anders die Plage bekomme. Erklärung was es gegen dieses Tiere zu unternehmen gilt gab es wenig. Immer schön die Klamotten waschen, dann wird alles gut. Zum Schluss versprach mir Ville aber noch, das ein Kammerjäger kommen würde um ein bisschen Gift im Raum zu verteilen. Na, wenigsten etwas.
Der niedliche schwedische Kammerjäger, der am Nachmittag eintraf konnte mir leider auch keine Tipps geben. Er sprach nämlich ungefähr so gut Englisch wie ich Schwedisch. Also fast gar nicht. Das hemmte die Kommunikation doch etwas. Aber stutzig machte mich schon als er, während er aus meine Zimmer kam, nur „många bedbugs, många bedbugs“ rief. Denn många heißt viele. Das hatte ich im Schwedischkurs bereits gelernt. Und in diesem Falle verhießt många nichts Gutes.
Bis die Leute von Studentborstäder registrierten, dass es unmöglich ist in diesem Parasitbrutkasten zu leben, vergingen noch zwei weitere Nächte. In diesen ging ich, anstatt zu schlafen auf Bettwanzen-Jagt. Am Donnerstag mussten Ville und Stephan, der Englisch sprechende Chef der Pest-Company, doch staunen als ich ihnen offenbarte 150 Bettwanzen in nur 48 Stunden getötet zu haben. Respekt! Und dann ging alles ganz schnell: Bett weggeschmissen, Klamotten komplett gewaschen, das Zimmer mit Chemikalien voll gepumpt und versiegelt. Jetzt stellte sich nur noch eine Frage. Wo sollte ich wohnen?
Ganz einfach. In einem anderen Korridor. Diesem Angebot konnte ich nur schweren Herzens und mit dem Ekel im Hinterkopf zustimmen. Schließlich hatte ich ja gerade erst meinen Korridor zum coolsten in der gesamten Studentensiedlung ausgerufen. Tja und jetzt sitze ich hier in meinem neuen Korridor. Hier ist alles anders. Keine Gemeinschaft, kein Korridorleben und sogar die Schuhe lassen hier alle an. Na ja, aber wenigstens kann man hier in Ruhe schlafen.
Ich werde mich jetzt auf jeden Fall um Nasirs alten Raum bemühen. Der ist nämlich ab 1. November frei. Famoust Corridor, ich komm zurück. Hoffentlich!

Also ich muss schon sagen, dass ich mir ein Foto von den Biestern gewünscht hätte. Und Dir wünsche ich, dass Dir sowas nicht so schnell wieder passiert.
auf der suche nach dem schwedischen wort für bettwanze
http://verben.woxikon.de/verbformen/wanzen.php
Freut mich dass du bereit dabei bist, die schöne schwedische sprache aufzuschnappen
“Många” ist ein brauchbares wort :p Und jetzt hast du auch das noch schönere wort “vägglus” gelernt. Sei aber vorsichtig dass Julian nicht auf die idee kommt dass du nasir bist, wir wissen ja alle der spanier kann ein wenig gewaltig sein hehehehe
jaja bra tyskaträning
/micke
So, jetzt mit Bild und Verlinkung. Pimp my Blog mäßig…
[...] mein alter Korridor, den ich nach meiner Bettwanzenplage verlassen musste, ist fast komplett erhalten geblieben. Lediglich Isabella, die Chinesin hat die [...]
[...] mit denen ich in Kontakt gekommen bin war fast ausnahmslos, na ja sagen wir mal wenig kompetent. Die Bediensteten der Kammerjägerfirma z. B. und die Tankstellenangestellte, die keine Ahnung hatte welches der vier Ölsorten im [...]